Sitzdruckmessung

Sitzen ist in unserer Gesellschaft wesentlicher Bestandteil der Arbeits- und Freizeittätigkeiten. Dabei stellt der Sitz/Stuhl die hauptsächliche Kontaktfläche zur Umwelt dar. Die entstehenden Kontaktkräfte bei der Mensch-Sitz-Interaktion können dazu genutzt werden, um Informationen über das Verhalten der sitzenden Person zu erhalten oder auch um den Sitz zu bewerten. Dafür sind Sitzdruckmessmatten als Messinstrument unverzichtbar.

Die vorhandenen mobilen Sitzdruckmessmatten des Lehrstuhls für Ergonomie arbeiten nach dem physikalischen Prinzip der Kapazitätsänderung, wodurch der Druck an den Messpunkten in ein elektrisches Signal umgewandelt wird und an einen Computer weitergeleitet werden kann. Mithilfe der entsprechenden Software können dadurch Sitzdruckverläufe über definierte Zeiträume aufgezeichnet, visualisiert und ausgewertet werden. Die verwendeten Sitzdruckmessmatten haben 40 x 40 (Sitzfläche) und 64 x 40 Sensoren (Lehnenfläche).

© Fabian Fischer | TUM
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Anwendung

Neben der „richtigen“ Sitzhaltung hat die richtige Sitzdruckverteilung den größten Einfluss auf den Sitz(dis)komfort. Die wissenschaftlich ermittelte ideale Druckverteilung (Mergl, 2005 ) ergibt sich aus empfohlenen Grenzwerten für Maximaldruck, Gradient und prozentualer Lastverteilung in den einzelnen Körperteilregionen. Die Sitzdruckmessmatten können daher für die Evaluation verschiedener Sitze (PKW, Bahn, Flugzeug etc.) hinsichtlich des Sitzdiskomforts genutzt werden.

Zudem erlaubt eine Betrachtung weiterer Metriken, wie beispielsweise der Druckmittelpunkt (center of pressure, COP), einen Rückschluss auf die Aktivität von Fahrern. Die Sitzdruckmatten werden daher in Probandenstudien zum (hoch-)automatisierten Fahren verwendet, um Änderungen des Fahrerzustands, beispielsweise eine erhöhte Aktivität oder Unruhe im Sitz, abzubilden.

© Fabian Fischer | TUM
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