Flugsicherheit

Ziel der Forschungsgruppe Flugsicherheit

Die Forschungsgruppe Flugsicherheit untersucht die Leistung von Piloten im Luftverkehr im Sinne der Menschlichen Zuverlässigkeit. Der am Lehrstuhl für Ergonomie verfolgte Mess- und Bewertungsansatz zielt dabei auf unterschiedliche Aspekte des Verhaltens und der menschlichen Informationsverarbeitung ab. Neben der Bewertung der fliegerischen Leistung hinsichtlich Flugzeugsteuerung und –überwachung (Haslbeck et al., 2012), spielt die Analyse von Kommunikations- und Entscheidungsverhalten (Gontar & Hoermann, 2014) eine weitere wichtige Rolle.

Der Einsatz von Automation in der Luftfahrt ermöglicht es den Piloten, monotone Steuer- und Überwachungsaufgaben an technische Systeme abzugeben. Allerdings hat der langfristige Einfluss von Automation auf Flugzeugführer auch negative Auswirkungen, wie den Verlust manueller Fertigkeiten (Haslbeck, Kirchner, Schubert & Bengler, 2014) oder das Verlernen komplexer zusammengesetzter Handlungsprozesse in Notfällen (Haslbeck, Gontar & Schubert, 2014). Eine objektive Bewertung der Leistung beim manuellen Fliegen ermöglichen beispielsweise Versuche im Flugsimulator in welchen menschliche Informationsaufnahme (Blickverhalten) und Informationsumsetzung (Steuerverhalten) objektiv messbar sind und auch mit Hilfe von Luftfahrtexperten bewertet werden können. Als Messmethoden kommen Blickerfassung, die Datenaufzeichnung im Flugsimulator, sowie Video- und Tonaufzeichnungen zum Einsatz. Hierzu wurden aufbauend auf mehreren Flugsimulatorstudien Metriken definiert, anhand welcher menschliche Leistung bezüglich. Verhalten und Handeln messbar und damit bewertbar wird. Beim Blickverhalten sind neben Kontrollblicken in spezifischen Situationen, vor allem Blickstrategien von großer Relevanz (Haslbeck, Schubert, Gontar & Bengler, 2012). Hierbei werden aufgabenspezifisch auch Blickketten, also Abfolgen von Einzelblicken, untersucht. Beim Steuerverhalten hingegen werden Abweichungen von einem festgelegten Sollkurs gemessen und bewertet. Als Ergänzung zu diesen objektiv messbaren Beschreibungsgrößen des manuellen Fliegens wird das Entscheidungs- und Kommunikationsverhalten von Piloten hinsichtlich der Anforderungen guten Crew Resource Managements (CRM) betrachtet (Gontar, Hoermann, Deischl & Haslbeck, 2014). Kommunikation wird mittels der Sprechakttypeninventarisierung STACK, phonetischer Grundgrößen und Verhaltensmarkern (behavioral markers) bewertet.

Ein wichtiges Ziel dieser Forschungsaktivitäten ist neben Messung und Bewertung der fliegerischen Leistung von Piloten auch die Formulierung von Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Trainingsmaßnahmen. Diese Erkenntnisse bilden im Sinne des evidenzbasierten Trainings (evidence based training, EBT) zudem die Grundlage für erweiterte Trainingsmaßnahmen im Flugbetrieb (Haslbeck, Drees, Rehmann & Tüshaus, 2013).

Die in der Flugsicherheitsforschung angewandten Ansätze lassen sich im Sinne der Disziplin Menschliche Zuverlässigkeit auch auf die Fahrzeugführung und High-Reliability Organisationen anderer Domänen (Kernkraft, Prozessindustrie, Transportwesen) anwenden.

Publikationen

  • Gontar, P. & Hoermann, H.-J. (2014). Flight Crew Performance and CRM Ratings Based on Three Different Perceptions. In A. Droog (Hrsg.), Aviation Psychology: faciliating change(s). Proceedings of the 31st EAAP Conference (S. 310–316)
  • Gontar, P., Hoermann, H.-J., Deischl, J. & Haslbeck, A. (2014). How Pilots Assess Their Non-Technical Performance ‐ A Flight Simulator Study. In N. A. Stanton, S. J. Landry, G. Di Bucchianico & A. Vallicelli (Hrsg.), Advances in Human Aspects of Transportation. Part I (S. 119–128). AHFE International.
  • Haslbeck, A., Kirchner, P., Schubert, E. & Bengler, K. (2014). A Flight Simulator Study to Evaluate Manual Flying Skills of Airline Pilots, In Proceedings of the Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting, Proceedings of the Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting. Vortrag anlässlich Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting, Chicago. Verfügbar unter dx.doi.org/10.1177/1541931214581003.
  • Haslbeck, A., Drees, L., Rehmann, K. & Tüshaus, A. T. (2013). Anforderungen an das Training manueller Flugfertigkeiten. In M. Grandt & S. Schmerwitz (Hrsg.), Ausbildung und Training in der Fahrzeug- und Prozessführung. 55. Fachausschusssitzung Anthropotechnik (DGLR-Bericht, 2013-01, S. 159–167). Bonn.
  • Haslbeck, A., Gontar, P. & Schubert, E. (2014). How Can Procedures and Checklists Help Pilots in Abnormal Flight Situations? In N. A. Stanton, S. J. Landry, G. Di Bucchianico & A. Vallicelli (Hrsg.), Advances in Human Aspects of Transportation. Part II (S. 456–461). AHFE International.
  • Haslbeck, A., Schubert, E., Gontar, P. & Bengler, K. (2012). The relationship between pilots’ manual flying skills and their visual behavior: a flight simulator study using eye tracking. In S. Laundry, G. Salvendy & W. Karwowski (Hrsg.), Advances in Human Aspects of Aviation (Advances in Human Factors and Ergonomics, S. 561–568). Boca Raton: CRC Press.
  • Haslbeck, A., Schubert, E., Onnasch, L., Hüttig, G., Bubb, H. & Bengler, K. (2012). Manual flying skills under the influence of performance shaping factors. Work: A Journal of Prevention, Assessment and Rehabilitation, 41 (Supplement 1/2012), 178-183. Verfügbar unter dx.doi.org/10.3233/WOR-2012-0153-178.