Projekttyp: EU FP7 gefördert durch die Europäische Union
Kurzbeschreibung: Kern des Projektes ist die Weiterentwicklung digitaler Menschmodelle für eine verbesserte Simulation von Körperkräften, Bewegungen und Diskomfort. Hierbei werden umfangreiche Probandenmessungen durchgeführt.
Forschungsfelder: Digitale Menschmodellierung, Biomechanische Modellierung
Ansprechpartner: Florian Engstler & Fabian Günzkofer
Projektwebseite: http://www.dhergo.org/
IFSTTAR (ehem. INRETS), CEIT, ULB, Human Solutions, ERT, ESI Group, PSA, Renault, BMW
Während die am Markt verbreiteten Menschmodelle bei der Darstellung anthropometrischer Gegebenheiten sowie der Bedienfreundlichkeit für den Anwender eine hohe Reife erlangt haben, ist die Betrachtung dynamischer Vorgänge mit ihnen bisher nur sehr eingeschränkt möglich. Allerdings besteht von Seiten der Anwender gerade hier großer Bedarf. Diese Lücke wird momentan nur zum Teil durch muskuloskeletale Modelle geschlossen. Aus diesem Grund treiben Forschung und Entwicklung momentan vor allem die Simulation von Bewegungen und Kräften voran. Damit gekoppelt werden zumeist auch entsprechende Bewertungsverfahren wie die Vorhersage der zu erwartenden physischen Belastungen oder des Diskomforts betrachtet. In diesem Kontext ist auch das Projekt „DHErgo“ zu sehen, das im siebten Rahmenprogramm der Europäischen Union gefördert wird.
Ziel des Projektes ist die Schaffung eines von Menschmodellen zur Simulation dynamischer Bewegungen unter gegebenen geometrischen Randbedingungen sowie des dabei auftretenden Diskomforts. Darüber hinaus soll auch die anatomische Genauigkeit im Vergleich zu den bisherigen Ansätzen gesteigert werden, beispielsweise bei der Abbildung von Greifräumen sowie die Vorhersage von Körperkräften bei gegebenen Körperhaltungen verbessert werden.
Dabei werden grundlegende Versuche zu Muskelkräften, Gelenkmomenten und Beweglichkeit durchgeführt, neue Simulationsmethoden entwickelt und in Form eines Software-Demonstrators umgesetzt. Die industriellen Projektpartner entstammen zwar ausschließlich der Automobilindustrie, die resultierenden Modelle werden jedoch für allgemeine produkt- aber auch produktionsergonomische Analysen entwickelt. Die Stärke des Projektes liegt dabei in der komplementären Expertise des internationalen Konsortiums: Der Lehrstuhl für Ergonomie und das französische Forschungsinstitut INRETS übernehmen den Großteil der experimentellen Aktivitäten zu Kräften und Bewegung, während der Lehrstuhl für Anatomie der Universität Brüssel (ULB) Erkenntnisse zu Skelett- und Muskelmodellierung einbringt. Diese Daten werden mit Unterstützung des spanischen Forschungsinstitutes CEIT und der französischen Softwarefirma ESI in Simulationsmodelle überführt und von Human Solutions in einem RAMSIS-basierten Demonstrator umgesetzt. Die Validierung der Modelle wird von den Automobilherstellern BMW, Renault und PSA Peugeot Citroën übernommen, die vorab auch die grundlegenden Anforderungen an das Menschmodell spezifiziert hatten.
Am Lehrstuhl für Ergonomie wurden die Messungen von Gelenkmomenten und Beweglichkeit der unteren Extremitäten abgeschlossen. Die oberen Extremitäten werden aktuell untersucht. Der Demonstrator ermöglicht damit momentan die Simulation von Aktionen im Fahrzeug bei Einsatz der unteren Extremitäten. Bis zum Ende des Projekts im August 2011 werden Daten und Simulationsmodelle für den gesamten Körper zur Verfügung stehen.